Die 40er Jahre:
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''The Dangers of 
Wearing Heels''
(Link am Bild)
From 1943 edition of ''Fabrics and Dress''
''Fabrics and Dress''
1943
Bereits Ende September 1939 setzte in Deutschland kriegsbedingt die Rationierung von Stoffen und Lederwaren ein. Die Schuhmacher erhielten damit nur noch 6-8% ihres vorher üblichen Lederkontingentes. Dadurch wurden Schuhe in Deutschland immer teurer und schwerer zu bekommen. Die Herstellung von Luxusschuhen aus Lackleder, Seide, Atlas oder Samt wurde völlig verboten. Man trug also soweit es ging die Vorkriegsmodelle auf oder tauschte seine Schuhe (es gab dafür sogar eigene Schuhtauschbörsen). Neben der Empfehlung Kinder im Sommer barfuß laufen zu lassen, um für sie Schuhe zu sparen, wurden zum Kriegsende hin immer häufiger in Handarbeitszeitungen Anleitungen zum Selberarbeiten und Reparieren von Schuhen gegeben. 

Werbung, 1944Um Leder zu sparen, waren die hohen Plateausohlen aus Holz oder Kork ein günstiger Ersatz. Zwar war das Gehen in diesen zur Erleichterung schaukelstuhlartig abgerundeten Sohlen nicht immer ganz einfach, aber dieses Material war ausreichend vorhanden. Daneben wurden ab 1941 auch vermehrt Schuhe aus Stroh und Gras angesichts des immer stärker zunehmenden Materialmangels als neuester Schick angepriesen (diese waren auch für die Selbsterstellung von Schuhen geeignet). 
Es wurden sogar 1940 Schuhe mit Sohlen aus Plexiglas erstellt,einem bruchsicheren Glas aus Polyarcrysäureester, einem Stoff, in dessen Entwicklung die deutsche Kunstindustrie damals führend war.
Als Obermaterial griff man auf Stoffe wie Leinen und Gabardine, Filz, Kordeln, Kaninfelle und Fischleder zurück.
Auch in Amerika und England gab es in der Kriegszeit Rationierung von Leder (und anderen Rohstoffen). Im Zuge dieser Maßnahme wurde beispielsweise eine Maximalhöhe des Plateaus und des Absatzes bei Damenschuhen festgelegt, um sparsamen Umgang mit dem rationierten Material zu erreichen. 

Mit Fortdauer des Krieges nahmen die Plateau- und Keilabsatzschuhe aus Holz und Kork immer groteskere Formen an. Fast als wollte man ein Gegengewicht zu der dreieckigen Mode-Silhouette mit den extrem breiten Schulterpartien und der schmalen Hüfte schaffen. 

In den USA machten zum Beispiel die Wedges mit enormen Plateausohlen der südamerikanischen Sängerin und Schauspilerin Carmen Miranda, die diese zum Ausgleich ihrer sehr kleinen Statur trug, Furore und wurden vielfältig kopiert.
 
Werbung, USA 1946 Nach dem Krieg blieb zunächst alles beim Alten (selbst die Rationierung von Leder und anderen Stoffen wurde noch bis 1949 beibehalten). 
Allerdings hatte Amerika weniger unter Materialmangel zu leiden als die europäischen Kriegsgebiete. Besonders aus Californien mit seiner ansässigen Filmindustrie konnten daher schon bald nach dem Krieg extravagante, farbenfrohe Modetrends mit hohen Plateaus und hohen Absätzen gesetzt werden.

 
 
Besonders beliebt bei der amerikanischen Jugend waren in den 30er und 40er Jahren die zweifarbigen "Saddle shoes" (die auch in braun-weiß erhältlich waren). Sie waren auf jedem Schulhof und College zu sehen. 

Diese Zugpumps aus Ungarn (unica iseghem) sind mit ihren schmalen Plateausohlen und kräftigen Absätzen ein typisches Modell der Zeit. Herbst/Winterschuhe aus empfindlicherem Rauhleder wurden oft mit Glattleder oder anderem robusterem Material (hier mit Schlangenleder) kombiniert, um den Schuh vor wetterbedingten Beschädigungen zu schützen. 
Anfang 40er Jahre
Neben den Plateauschuhen gab es weiterhin klassische Pumps, bevorzugt mit Schleifen und Blumenverzierungen. Dieses Modell besteht aus blauem Leinenstoff, bei dem Schleifengarnitur und Schuhblatt eine weiß unterlegte Lochstanzerei  besitzen. 

Frühe 40er Jahre
 

In Amerika waren Schuhe mit offener Kappe ("peep-toe") und Fersenriemchen für den Frühling und Sommer besonders populär.  Diese giftgrünen Rauhlederschuhe (The American girl shoe) haben als modische Variante zudem eine zackenförmig durchbrochene Außenseite und weiße Steppnähte. 

 Frühe 40er Jahre
 

Ein ganz ähnliches Modell sind diese Sommerschuhe (Capri Last by Palter DeLiso) aus schwarzem Rauhleder und Netz mit Schleifengarnierung. Im Idealfall sollten die Zehen beim "Peep Toe" bis zum vorderen Schuhrand reichen. 

Frühe 40er Jahre

Blassblauer Leinenschuh (L.Miller, Fifth Avenue) mit floraler Stickerei in Rosa. Offene Kappen, Fersenriemchen und Zierschleifchen.

Frühe 40er Jahre

Braune Rauhlederpalteauschuhe (Marke:Baker) für die kühleren Herbsttage mit Schuhblatt aus Schlangenleder und Lederschnürriemen. 

Mitte 40er Jahre

Winterschnürschuh aus schwarzem Rauhleder mit Zierstanzerei und Innenfutter. 

 Mitte 40er Jahre

Diese Sandalen mit Keilabsatz sind in patriotischer amerikanischer Tri-Color gehalten ."Loyale" patriotische Mode  war während des 2.Weltkrieges in Amerika verbreitet . Das Obermaterial besteht kriegszeittypisch aus eingefärbtem Strohgeflecht.

 Mitte 40er Jahre

Ein typisches Beispiel für einen europäischen Schuh aus der Kriegszeit. Die durchgängige Holzsohle mit dem modisch gestalteten Blockabsatz hat die "Schaukelstuhl"-Form, die das gehen in der unflexiblen Sohle erleichtern sollte. Dieser Schnürschuh (Graziella, Paris) aus sehr dünnem Oberleder  hat eine zusätzlichen Sohle aus synthetischem Gummi (Buna). 
Sommerschuh mit einer Plateausohle aus Jute-Kordeln und schwarzem Leinenstoff.
Kein Original, aber dennoch ein Modell, wie es in den Kriegsjahren (auch mit Sohlen aus Stroh, Paketschnur oder Bast) anzutreffen war.
Bei diesem Modell wurde für die Kriegszeit ebenfalls typisch die Ledersohle durch eine breite Korksohle ersetzt. Der sparsame, aber modische Schnitt des Oberleders und die seitliche Schnürung durch schmale Riemchen ermöglichte die Verwendung von Lederresten 

Mitte 40er Jahre

Wie schon in den 30er Jahren waren auch in den 40ern zweifarbige Schuhe beliebt. Der Plateau-Absatz bot dabei eine weitere raffinierte Möglichkeit zum Farbkontrastspiel. Diese Laschenpumps (Flex Moda) aus dunkelblauem Wildleder besitzen Sohle, cubanische Absätze, Schleife und Einfassungen aus rotem Glattleder. 

Mitte 40er Jahre

Bei diesem amerikanischen Schuh aus Baumwolle ( sogenannter Calico-Patch-Shoe) wurden Stoffreste anstelle von knappem Leder und anderen während der Kriegszeit rationierten Materialien verwendet.

Mitte 40er Jahre

Hellgrauer Wildlederplateauschuh mit durchbrochenen Partien, Fersenriemchen und cubanischem Absatz. Im Gegensatz zu den vergleichbaren amerikanischen und englischen Schuhmodellen aus dieser Zeit waren im kontinentalen Europa auch Schuhmodelle ohne offene Kappen sehr verbreitet.

Mitte 40er Jahre

Riemchenplateauschuh (Chaussures Apollo, Belgien) mit Absatz und Plateausohle aus Holz. Da Absatz und Sohle starr miteinander verbunden sind, ist ein flexibles Abrollen des Fußes in diesen Schuhen nicht möglich. Auch die sparsame Verwendung des Leders beim Obermaterial deutet auf die Auswirkungen der kriegszeitbedingten Rationierungen hin. 

 Mitte 40er Jahre

Plateauschuhe mit offener Kappe ("peep toe"), Fesselriemchen ("ankle-strap") und hohen  Absätzen ("spike heels") waren in Amerika äußerst beliebte und verbreitete Modelle modebewusster Frauen.
Diese Schuhe (Jaqueline, designed by WOHl, USA ) aus lila Rauhleder sind extravagant mit Partien aus Schlangenhaut und kleinen Perlmuttknöpfen versehen. 

Mitte 40er Jahre

"1940's Country Style" - das Obermaterial dieser Plateauschuhe (Maria Christina de Luxe, Mexico) mit Fußknöchelriemchen und offener Kappe besteht aus Ponyfell.

Mitte 40er Jahre

Braun-weiße "Spectators" (kontrastierende Kappe und Ferse) aus cremefarbenem Rauhleder und braunem Glattleder. Lackierter Holzabsatz.  Zweifarbige Schuhe (auch in schwarz-weiß oder blau-weiß) waren in allen möglichen Varianten als Pumps und "High-Heels" mit geschlossener oder offener Kappe, mit Plateau und ohne, häufig anzutreffen.

Mitte 40er Jahre

Plateauschuhe (Joseph Magnin, California -Nevada) aus grauem Rauhleder mit Einsätzen aus Glattleder und kleinen Ziernieten. Hohe Plateaus und Absätze dieser Art waren in Amerika vor allem zwischen 1945 und 1947 auf den Straßen anzutreffen .
Plateauschuhe (C.H: Baker, California) aus schwarzem Rauhleder. Der schlicht elegant gehaltene Schuh besticht durch eine sehr hohe Plateausohle.

Mitte 40er Jahre

Dunkelrote Plateauschuhe (Frank Werner Co, San Francisco- Oakland) mit eingearbeiteten Biesenfalten, offenen Kappe und Fersenriemchen. 

Mitte 40er Jahre

Plateau-Keilschuhe im "Carmen-Miranda"-Stil. Die Sohle besteht aus mit Samtstoff umklebten Kork, das Blatt aus transparentem Vinylid, Blume und Knöchelriemchen aus Satin.

Mitte/Ende 40er Jahre

Eleganter Abendschuh (Marke: Bally) aus silbernem Glattleder mit Biesenverzierung, offener Kappe und Fersenriemchen. Silberne (ebenso wie goldene) Abendschuhe waren besonders beliebt, da sie zu den meisten Abendkleidern passten.

Mitte/Ende 40er Jahre
 


 
 
 
"40's Style"

neuzeitliche ''Repro''In den 70er Jahren erlebte der Plateauschuh ein erstes Revival. Im Unterschied zu den Modellen der 40er Jahre besaß er als auffälligstes Merkmal eine andere Absatzform. Während in den 40er Jahren der Absatz am äußeren Rand leicht nach innen geschwungen war und zum unteren Ende hin schmaler wurde, verlief der Absatz in den 70er Jahren am äußeren Rand ganz gerade nach unten. 
Auch bei den heute erhältlichen 40's-Retro-Modellen läßt sich der Unterschied leicht an der Absatzform erkennen. 
Ein paar "40s-Retro-Style" Beispiele: Bei dem unten gezeigten roten Plateauschuh fehlt am oberen Absatzende die leichte Rundung nach innen, der gelbe Plateauschuh hat einen 20er Jahre typischen Louis-XV.-Absatz und der schwarz-weiße Damenschuh einen dünnen gerade verlaufenden Absatz. 

neuzeitliche ''Repro''neuzeitliche ''Repro''neuzeitliche ''Repro''
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